Superabled

Technisches Enhancement durch Prothetik

Von Montag, 23. Juni 2014 - 9:30 Uhr bis Dienstag, 24. Juni 2014 - 15:00 Uhr

Interdisziplinärer Workshop im University College Freiburg

Die technische Erweiterung des Menschen schreitet voran. Mit sogenannten wearables wie Datenbrille, Computeruhr, Fitnessarmband, aber auch durch die Entwicklung von Sinnesprothesen und gedankenlesenden Robotern wird der Mensch in kleinen Schritten zum Cyborg. In der Mobilisierung des Körpers mittels Prothetik ging es, historisch gesehen, zunächst um die Entwicklung von Ersatzteilen, mit denen körperliche Nachteile kompensiert werden konnten. Heute bietet die Digitalisierung und Miniaturisierung der Technik vielfach die Möglichkeit, die Hightech-Produkte bereits direkt in den Körper einzupflanzen. Damit verlagert sich die Schnittstelle von Mensch und Technik, wie etwa auch die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Neuroprothetik zeigen. Die Prothetik ist uns auf den Pelz gerückt. Sie geht uns – im vollen Wortsinn – unter die Haut.

In Berlin hat sich ein Cyborg e. V. gegründet, der der Bewegung des Posthumanismus zuzurechnen ist. Wenn ihre Protagonistinnen und Protagonisten Ohrringe mit Infrarotsensoren tragen oder sich Magnete und Funkchips einpflanzen, um den menschlichen Wahrnehmungsapparat zu erweitern, erscheint das auf der einen Seite als spielerischer Versuch, Prothesenvisionen aus der Science-Fiction-Welt an sich selbst auszuprobieren. Auf der  anderen Seite zeigt sich aber in dieser Entwicklung ein bereits verändertes Körperbild. Der menschliche Körper wird als grundsätzlich reparaturbedürftig und nachbesserungswürdig angesehen. Er soll nicht nur erweitert, sondern durch Prothesen optimiert werden. Dieses Bild speist sich aus einem tiefen Vertrauen in den technischen Fortschritt. Gleichzeitig lässt es den Ist-Zustand des Menschen in einem düsteren Licht erscheinen und wirft damit Fragen über unser Selbstverständnis auf. Im Gegensatz zum anvisierten Superhuman können wir alle nur noch als disabled erscheinen. Erst superabled sind wir das, was wir sein wollen.
Der Workshop soll dazu dienen, diese unterschiedlichen Entwicklungen des technischen Enhancements aus philosophischer, soziologischer und körperhistorischer Perspektive zu reflektieren. Ausgehend von der Frage, was heute bereits technisch machbar ist und in der Zukunft möglich sein könnte, ist nach den ethischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutungen dieser Techniken zu fragen. Was bedeutet die technische Aufrüstung des Menschen für sein Selbstverständnis? Wie wird sich das gesellschaftliche Zusammenleben in Zukunft weiter gestalten? Sind die neuen Möglichkeiten der Körperformung mit größeren Abhängigkeiten von den technischen Hilfsmitteln verbunden oder bieten sie auch mehr Freiheit in Form von Gestaltungsoptionen? Diese Fragen zur prothetischen Verbesserung des Menschen gewinnen nicht zuletzt durch den allseits beklagten Kontrollverlust, der mit der Digitalisierung der Gesellschaft verbunden ist, an aktueller Brisanz.

Konzeption des Workshops:

  • Christoph Asmuth (Technische Universität Berlin)
  • Sybilla Nikolow (University College Freiburg/Technische Universität Berlin)