Dr. Tatjana Noemi Tömmel

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Technische Universität Berlin
Biographie: 

Tatjana Noemi Tömmel studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Philosophie in München, Berlin und Paris. 2008 begann sie ihr Promotionsstudium in Philosophie, gefördert durch das Exzellenz-Cluster „Languages of Emotion“ an der Freien Universität Berlin. Die Arbeit an ihrer Dissertation über den Liebesbegriff bei Martin Heidegger und Hannah Arendt führte sie 2009/10 an die Universität Yale in den Vereinigten Staaten. Im Sommer 2012 wurde sie bei Axel Honneth an der Goethe-Universität Frankfurt am Main promoviert. 2012-13 war sie als Marie Curie Early Stage Researcher im Center for Subjectivity Research an der Universität Kopenhagen beschäftigt. Seit Herbst 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Sozialphilosophie, Ästhetik, Ethik und Existenzphilosophie.

Beiträge

»I am definitely not bionic, I am just as human as everybody else.« Aimee Mullins wurde 1976 in Pennsylvania geboren. Genau wie Oscar Pistorius litt unter fibularer Hemimelie, ihr fehlten von Geburt an beide Wadenbeine. Ihre Eltern entschieden sich nach einem Jahr für eine Amputation der Schenkel unterhalb des Knies. Später sollte Mullins die weltweit ersten Person sein, die auf den so genannten »Cheetah-legs«, den nach Gepardenbeinen modellierten Karbonfaser-Prothesen, laufen wird.  Schon aus diesem Grund ist sie zu einer Gallionsfigur des Behindertensports geworden.

Der Krieg ist sicherlich nicht Vater aller Dinge, doch was die Entwicklung von Prothesen betrifft, kann er elterliche Rechte beanspruchen. Zwar hat es schon im alten Ägypten, vor rund 2600 Jahren, Prothesen gegeben, die auch zivile Verletzungen ausglichen. Der Erste Weltkrieg mit seiner veränderten Kriegstechnik einerseits – Artilleriegeschosse wie Schrapnelle statt Handfeuerwaffen – und seinem verbesserten Sanitärwesen andererseits war jedoch ein wesentlicher Motor für die Entwicklung und Verbreitung von Prothesen.

Eines ist eindeutig: Prothesen in den Künsten werden nicht um ihrer selbst willen dargestellt. Wie Behinderung überhaupt haben sie eine ästhetische und dramaturgische Funktion. Das materielle Artefakt ist immer zugleich ein »Bedeutungsträger«, ein Symbol für etwas anderes. Im Anschluss an Susan Sontag ließe sich danach fragen, welches ›Image‹ Prothesen in den narrativen, visuellen und bildenden Künsten haben: Lässt sich für sie etwas Vergleichbares feststellen wie für so bedeutungsaufgeladene Krankheiten wie Tuberkulose, Syphilis, Krebs oder Aids?