Schnittstelle Mensch

Im Exoskelett aufs Siegertreppchen: Cybathlon 2016

Die diesjährige Eröffnungsveranstaltung der Fußball-Weltmeisterschaft hat es bereits gezeigt: Technische Erweiterungen des Körpers werden im Sport zunehmend präsenter. Der ›Kick-off‹ in Brasilien, bei dem ein querschnittsgelähmter Jugendlicher im gedankengesteuerten Exoskelett medienwirksam den ersten Ballanstoß vollführte, kann vielleicht auch als ›Kick-off‹ der Zeit des Cybersports gelten: Denn schon in zwei Jahren – am 08. Oktober 2016 – wird in der Schweiz der erste Cybathlon stattfinden: die weltweit erste Meisterschaft für ›robot-assisted parathlets‹.

Traumbusen aus Industriesilikon

Vor dreieinhalb Jahren fuhr M. in eine osteuropäische Metropole, um sich dort in einer Klinik die Brüste vergrößern zu lassen. Bereits wenige Monate nach dem Eingriff geriet der französische Hersteller ihrer Silikonimplantate international in die Schlagzeilen: Poly Implant Prothèse (PIP) hatte billiges Industriesilikongel verwendet, das für Brustimplantate nicht zugelassen war. In vielen Fällen waren die Kissen gerissen und hatten Entzündungen verursacht – allein in Frankreich wurden bis Ende 2012 mehr als 1.000 defekte PIP-Implantate gemeldet.

Meine Oma, der Cyborg

Erste Assoziationen zum Begriff des Cyborgs reichen von RoboCop über Terminator Überwindung von race, class, gender, das Auflösen von Normen also durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Doch gegenüber dieser Verschmelzung aus freien Stücken herrscht im Mainstream bisher große Skepsis.

Die Mobilisierung des Körpers. Prothetik seit dem Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg und die mit ihm verbundenen extremen physischen und psychischen Belastungen hatten auf die kulturelle, intellektuelle und künstlerische Wahrnehmung menschlicher Körper ebenso wie auf die Entwicklung neuer Technologien der Wiederherstellung, Verbesserung und Steigerung körperlicher Eigenschaften und Fähigkeiten einen kaum zu überschätzenden Einfluss.

Homo faber in Höchstform: Prothesen Marke Eigenbau

Was passiert, wenn Menschen versuchen, ihre verlorenen Gliedmaßen selbst zu ersetzen, sich selbst oder den Menschen ihrer unmittelbaren Umgebung neue Gliedmaßen zu basteln? Dieser Prozess des Ent- und Verwerfens, des Anpassens von Dingen an den eigenen Körper, des Arbeitens mit vorhandenem begrenztem Material und Werkzeug, scheint zunächst denkbar weit entfernt von den hochtechnologischen Artefakten der modernen Prothetik. Gerade deshalb, das ist meine Annahme, kristallisieren sich in diesen Prozessen spannende Fragestellungen.

Überwindung der Körperlichkeit. Historische Perspektiven auf den künstlichen Körper

Technologien, die der Wiederherstellung, Verbesserung und Steigerung körperlicher Eigenschaften und Fähigkeiten dienen, erscheinen heute allgegenwärtig. Diese Beobachtung sowie die Vermutung, dass die Grenzen zwischen Körper und Technik verwischen, nahmen die Veranstalterinnen und Veranstalter der Tagung zum Anlass, Formen, Kontexte und Effekte der »Überwindung der Körperlichkeit« zu diskutieren. Ziel war es, aktuelle Enhancement-Technologien durch einen Blick auf die Geschichte der Wechselbeziehungen von Körper und körperassoziierter Technik zu historisieren.