Technik

Körpertechniken

Eine Szene aus einem Stummfilm: Am Rande eines Nadelwaldes stehen fünf Männer nebeneinander. Ihre schlecht sitzenden Uniformen hängen an diesem und jenem herunter wie alte Kittel. Unterhalb ihrer linken Oberschenkel klaffen Freiräume. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass Schuhe und Schenkel durch Metallgestänge verbunden sind: provisorische Prothesen, die darauf hinweisen, dass die Beine erst kürzlich amputiert worden sind. Die Einbeinigen sind zu einem speziellen Appell angetreten.

Im Exoskelett aufs Siegertreppchen: Cybathlon 2016

Die diesjährige Eröffnungsveranstaltung der Fußball-Weltmeisterschaft hat es bereits gezeigt: Technische Erweiterungen des Körpers werden im Sport zunehmend präsenter. Der ›Kick-off‹ in Brasilien, bei dem ein querschnittsgelähmter Jugendlicher im gedankengesteuerten Exoskelett medienwirksam den ersten Ballanstoß vollführte, kann vielleicht auch als ›Kick-off‹ der Zeit des Cybersports gelten: Denn schon in zwei Jahren – am 08. Oktober 2016 – wird in der Schweiz der erste Cybathlon stattfinden: die weltweit erste Meisterschaft für ›robot-assisted parathlets‹.

Komm, wir drucken uns eine Prothese!

Seit einigen Jahren häufen sich Artikel, Fernseh- und Radiobeiträge darüber, was mit 3D-Druckern alles hergestellt werden könne: vom Kaffeemaschinen-Ersatzteil über kleine Doppelgängerfiguren von einem selbst bis hin zu ganzen Häusern und sogar 3D-gedruckten 3D-Druckern. Der Begriff »Drucken« hat hier allerdings nichts mit Papier und Tinte zu tun. Stattdessen wird ein Material, meist eine Art Kunststoff, erhitzt und von einer Düse Schicht für Schicht auf eine Druckplatte aufgetragen.

Geparden-Beine aus Karbon

Spätestens seit den Paralympischen Sommerspielen in London 2012 hat sie jeder einmal gesehen: die j-förmigen Karbonfederprothesen, auf denen ein- und beidseitig beinamputierte Sprinter mittlerweile so schnell laufen wie ihre nicht-behinderten Sprint-Kollegen. Der US-Amerikaner Van Phillips erfand die Sprintprothese vor genau dreißig Jahren. Wie so häufig in der Prothetik war auch in diesem Fall der Entwickler selbst betroffen: In den 70er Jahren erlitt der damals 21-jährige Phillips einen schweren Wasserskiunfall, bei dem er sein linkes Bein oberhalb des Fußgelenkes verlor.

Der »traurige Nutzwert« des Gabelmessers

Die öffentliche Sicht auf die Themen Prothetik und Behinderung ist geprägt durch Medienberichte über paralympische Superathleten, körperbehinderte Models und Cyborgs, die sich von Zukunftsvisionen der 1980er Jahren mittlerweile in unsere Zeitgenossen verwandelt haben. Das vorliegende Objekt, das Gabelmesser, lenkt die Aufmerksamkeit auf einen viel weniger spektakulären Aspekt der Prothetik, nämlich auf die lästige Bewältigung des Alltags.